Claude Lalanne (1925–2019) zählt zu den aussergewöhnlichsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Schmuckkreationen bewegen sich an der faszinierenden Schnittstelle zwischen Bildhauerei, Goldschmiedekunst und surrealistischer Fantasie. Inspiriert von der Natur, verwandelte sie Blätter, Blüten, Früchte, Zweige und Tiere in poetische Schmuckobjekte von unverwechselbarer Ausdruckskraft.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann François-Xavier Lalanne bildete sie das international berühmte Künstlerduo Les Lalanne. Während François-Xavier vor allem für seine skulpturalen Tierfiguren bekannt wurde, entwickelte Claude Lalanne eine eigene, unverkennbare Formensprache.
Claude Lalanne betrachtete die Natur als unerschöpfliches Reservoir an Formen und Strukturen. Besonders charakteristisch ist ihre Technik der Galvanoplastik. Oberflächen bewahren die Lebendigkeit des ursprünglichen Naturmodells, die metallische Umsetzung verleiht ihnen Beständigkeit und skulpturale Präsenz.
Für Claude Lalanne war Schmuck weit mehr als dekoratives Beiwerk. Es sind eigenständige Kunstwerke, die erst am menschlichen Körper ihre vollständige Wirkung entfalten. Die Grenzen zwischen Schmuck und Skulptur verschwimmen.
Eine besondere Bedeutung erlangte Claude Lalanne durch ihre Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent. Für seine legendäre Herbst-/Winterkollektion 1969 schuf sie vergoldete Körperabgüsse, die als skulpturale Schmuckelemente in die Modegeschichte eingingen.
Ihre Kreationen besitzen jene seltene Qualität, die bedeutende Kunst auszeichnet: Sie sind unmittelbar erkennbar, zeitlos und entziehen sich modischen Konventionen. Claude Lalanne hat die Natur nicht einfach in Schmuck übersetzt – sie hat ihr eine neue, poetische Existenz verliehen.
